Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen dem deutschen und dem mexikanischen Lebensstil?
Ja, definitiv gibt es den!
Mein erster Eindruck von den Mexikanern ist, dass diese total offenherzig, freundlich und zugewandt sind (damit will ich nicht sagen, dass die Deutschen das nicht sind), zum Beispiel finde ich es jedes Mal aufs Neue faszinierend, dass sich die Mexikaner zur Begrüßung und zum Abschied umarmen und einen Kuss auf die Backe geben. Nicht selten kam es auch schon vor, dass wir Deutschen auch mit komplett Fremden dieses „Ritual“ machten. Ich persönlich finde das mega cool, weil man so gleich irgendwie einen engeren Kontakt mit allen aufbaut und das Gefühl hat, dass man Willkommen ist. Außerdem ist ein großer Unterschied auch die Beziehung zu den Lehrern, in Deutschland Siezt man diese ganz selbstverständlich, behandelt sie respektvoll und hält immer Abstand. In Mexiko ist es komplett normal, Lehrer mit Vornamen anzusprechen, persönliche Gespräche zu führen, und diese auch zu umarmen. Außerdem ist es mir aufgefallen, dass Mexikaner sehr viel wert auf ihr Aussehen legen, was auch meine Gastmutter bestätigte. Erst vor wenigen Tagen durfte ich meine Gastschwerster ins Nagelstudio begleiten (was hier erstaunlich günstig ist), und heute haben wir sie zum Schönheitsstudio gebracht. Aber dieses Getue nicht umsonst: Viele Mexikaner haben sehr schöne Locken, was auch die Mexikanerinnen anzieht 😉
Außerdem finde ich es heftig, wie die Sicherheitskontrollen hier sind. Damit meine ich jetzt nicht die am Flughafen, sondern es ist tatsächlich so, dass jedes Stadtviertel umzäunt ist, und es Tore gibt, an welchen Wächter platziert sind. Diese überprüfen genau, wer rein- und rausfährt und aus welchem Grund. Zudem findet man an jedem Einkaufscenter, der etwas größer ist, einen Posten, oft auch mit Pistole. Was ich aber im Gegenzug komisch finde, ist, dass wohl kaum Polizeikontrollen durchgeführt werden, folglich also niemand darauf achtet, dass alles rechtsmäßig passiert. Ich war zuerst auch erstaunt, als meine 15 – jährige Gastschwester im Auto auf den Fahrerplatz gesessen ist, aber anscheinend ist das normal hier & sie macht das auch echt gut. Dazu möchte ich jedoch noch sagen, dass es hier nicht ganz so streng ist, nach dem Motto „Du darfst auf keinen Fall irgendwo ohne deine Gastfamilie hin, die werden dich auf Schritt und Tritt begleiten“, sondern es eher Deutschland – ähnlich ist, und man innerhalb dieses umzäunten Viertels relativ viele Freiheiten hat.
Zur mexikanischen Umwelt möchte ich noch sagen, dass es hier im Land vielleicht einen größeren CO2 – Ausstoß gibt als in Deutschland (wegen den vielen Autos & der Großstadt), jedoch macht Mexiko dies wieder mit mehr als 3 Mal so vielen Bäumen als in Deutschland wett. Ich finde das so schön, vor jedem Haus stehen mindestens 2 Bäume, viele Parks, jeder Kreisverkehr und jede Verkehrsinsel ist beflanzt. Dabei nicht nur normale Laubbäume, sondern auch Palmen und Fruchtbäume wie zum Beispiel Mandarinen / Orangen. Außerdem findet man (zumindest hier unter den Reichen, wo ich verweile) überall große Gärten. Aber auch das Colegio Alemán ist rundum mit grünem umgeben, was jedoch sehr gepflegt und mit Liebe gepflanzt aussieht. Man sieht ständig Rasensprenger laufen und Gärtner arbeiten. Da kann sich das WHG noch einiges abschauen!
Zu den obigen Bildern: Oben links mein Blick vom Fenster aus; oben rechts der Schmuck für die Kinderweihnachtsfeier in der Schule; unten rechts der Haushund, der sich in meinem Bett versteckt hat und unten links das Fußballfeld der Schule im strahlenden Sonnenschein



